Wildheide

Von der Ödlandpflanze zum farbenfrohen Gartenschmuck

Die Besenheide - Calluna vulgaris - hat die Menschen in Westeuropa schon seit Jahrtausenden begleitet. Kurt Kramer (Edewecht) hat der Natur mit seinem Gärtnerwissen auf die Sprünge geholfen und mit der Einführung der Gardengirls® eine Erfolgsgeschichte geschrieben.

Heide wächst von Natur aus auf besonders unfruchtbaren Böden. Ab 3.000 vor Christus vergrößerten sich die Ausmaße durch Brandrodung, um Weideflächen für das Vieh zu haben. Diese gerodeten Flächen verödeten und wurden immer weiter von der Besenheide besiedelt. Etwa um das Jahr 1800 gab es die größte Ausdehnung der Heide, auf der nur noch Schafe weiden konnten. Übrigens, die heute bekannten Landschaftsschutzgebiete mit Heide umfassen nur noch etwa drei Prozent der damaligen Ausbreitung.

Heideplaggen

Der weitere Nutzen bestand durch die Bienenhaltung und zum Plaggenhauen. Die getrockneten Plaggen wurden als Streu für die Ställe verwendet. Die mit Dung durchsetzte Einstreu arbeiteten die Bauern auf hausnahen Äckern ein und konnten so Getreide und Futterpflanzen für das Vieh anbauen. Für die meisten Menschen dieser Zeit war Heide ein negativer besetzter Begriff.

Landschaftsgemälde

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die Künstler die Heide-Landschaft. Alle Landschaftsmaler bis hin zu Eugen Bracht verfielen der wunderschönen, doch oftmals trostlosen Heidelandschaft. Sand, Heide und Moor umgeben von Birken- und Kiefernwäldern sind heute noch in vielfältigen Variationen meist auf Ölgemälden aus dieser Zeit und Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen.

Prof. Thomé, 1885

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Heide auch als Erholungsgebiet genutzt. Sie bot Raum für ausgedehnte Spaziergänge. Bei genauerer Betrachtung beobachteten die Menschen, dass es bei der Besenheide wundersame Abweichungen gab, zum Beispiel Pflanzen mit weißen Blüten. Zweige der Besenheide wurden abgebrochen und mit nach Hause genommen. Daraus entwickelte sich der Brauch, ein Sträußchen mit weißer Heide als Glücksbringer zu verschenken. So diente Heidekraut nicht nur als Glücksbringer sondern auch als „Wunscherfüller“. Mit weißem Heidekraut unter dem Kopfkissen sollen Träume wahr werden.

Beijerinck, 1940

Auch Naturforscher erkundeten die Heide. P. Graebner schrieb darüber ab 1895, Joh. Jansen führte dies fort ab 1927. W. Beijerinck erstellte eine Monografie über Calluna, welche 1940 in Amsterdam erschien. Darin sind die ersten Knospenblüher erwähnt.

 

 

Heidegarten Schneverdingen
Park der Gärten
Park der Gärten - Inselbeet
Privatgarten

Gärtner vermehrten die besonderen Pflanzen, suchten selber gezielt danach und boten sie zum Verkauf an. Dafür erhielten die speziell vermehrten Pflanzen einen zusätzlichen Namen, den Sortennamen. Es entstand die Idee eines Heidegartens.

Schon 1927 erschien mit "The Low Road" das erste Heidegartenbuch von D. Fyfe Maxwell. 1928 kam mit "The Hardy Heath" von A. T. Johnson schon das zweite Heidebuch auf den Markt. Die ersten vermehrten Sorten wurden noch mit botanischen Begriffen wie "alba" (weiß) oder "plena" (voll, Blüte gefüllt) benannt. Später bekamen sie Sortennamen nach ihren Fundorten wie zum Beispiel 'Kynance'. Danach war es üblich, den Finder oder eine bekannte Person als Sortennamen zu wählen, wie  'H.E. Beale' oder 'Sir John Charrington'.

Von England schwappte die Heidegarten-Idee aufs Festland herüber, in die Niederlande und später nach Deutschland. Harry van de Laar schrieb 1975 "Het Heidetuinboek", dessen deutsche Übersetzung "Heidegärten" 1976 erschien. Allerdings wurde schon 1972 in der damaligen DDR "Das Heidegartenbuch" von Eckart Mießner veröffentlicht. In England entstand die erste Heide-Liebhabergesellschaft, die "Heather Society", später auch in weiteren Ländern, sogar einige in den USA.

Erste Aktivitäten in Edewecht

Kurt Kramer kam 1965 bei einer Militärübung in Schottland intensiv mit der Heide in Berührung. Als Gärtner wunderte er sich über einzelne, weiß blühende Pflanzen in dem ansonsten großen Einerlei. Vielleicht war dies schon eine erste Hinlenkung zu seiner beruflichen Zukunft. Danach kam Kramer als Friedhofsgärtner im Herbst wieder mit Heide in Kontakt. Neben der Topfheide (Erica gracilis) lernte er auch Callunen kennen, die allerdings gegenüber der Topfheide in denkbar schlechtem Zustand waren. Das sollte sich ändern!

Nach dem Besuch der Meisterschule für Gartenbau machte sich Kurt Kramer 1970 auf dem kleinen elterlichen landwirtschaftlichen Hof bei Edewecht selbständig und spezialisierte sich auf die Anzucht von Heidepflanzen. Der besonders stark humose Sandboden war dafür gut geeignet. Der Gärtnermeister testete alle in Holland und England erhältlichen Heidearten und Sorten auf ihre Anbauwürdigkeit und Frosthärte.

Von der Besenheide wurden bis 1980 etwa 330 Sorten gesammelt und verglichen. Davon wurden später rund 20 Sorten kultiviert. Von den weiteren etwa 20 europäischen Heidearten (Erica) erwiesen sich sechs Arten und eine Hybride mit leichtem Winterschutz (Fichtenzweige) in der Kultur und im Garten als genügend winterhart. Um 1990 wurden von diesen Arten 350.000 Stück kultiviert, überwiegend Callunen, die, wegen ihrer Blütezeit, damals auch Sommerheide genannt wurden.

Schalenset
Schmuckstück
Floristik

Bisher handelte es sich bei allen Sorten um Findlinge aus der Natur, Zufallskreuzungen aus Gärten und der Aufzucht von Sämlingen, sowie um Mutationen, also plötzlichen Veränderungen an vorhandenen Sorten. Ab 1974 versuchte Kurt Kramer neue Sorten durch gezielte Züchtungen zu gewinnen. Der erste züchterische Erfolg, also eine Verbesserung gegenüber den Standardsorten, stellte sich dann allerdings bei der Arthybride Erica x darleyensis ein. Diese wurde 1984 unter dem Sortennamen 'Kramers Rote' eingeführt. Sie wird heute von Gärtnern in Europa sowie von Kanada bis nach Neuseeland kultiviert.

Auch unzählige Calluna-Sorten kamen auf den Markt, erlangten zunächst aber keine große Bedeutung. Das änderte sich erst mit der Züchtung und Einführung der Calluna-Knospenblüher, heute kurz Knospenheide genannt. Gefördert wurde der von da an auch geschäftliche Erfolg durch das Sortenschutzgesetz, vergleichbar mit dem Patent bei technischen Dingen. Durch die Schutzwirkung darf nur der Schutzinhaber oder ein Vertragspartner die verbesserte Sorte nutzen.

Die Knospenheide hat gegenüber der Wildform Besenheide einen erheblichen Vorteil. Die Knospen öffnen sich nicht. Während die Wildform von Juni / Juli bis höchstens im August blüht, zeigt die Knospenheide je nach Sorte von August bis in den Winter hinein ihre Farbe. Auch leichte Herbstfröste können ihr nicht schaden. Ein solch wichtiger Fortschritt, aber besonders der für Gartenfreunde wesentlich verbesserte Nutzen, brauchte einen Namen. Nach reiflicher Überlegung wählte Kurt Kramer dafür den Oberbegriff "Gardengirls" und ließ diesen 1997 als Marke eintragen. Die Sorten der Knospenheide erhielten von Kramer in Absprache mit seinen Mitarbeiterinnen alle Mädchennamen. Da alle Sorten bestens gartentauglich waren, wurden sie nun die "Mädchen für den Garten". Den englischen Namen konnten auch die Deutschen verstehen, den anderen Europäern sollte der Begriff auch vertraut sein.

Die Erfolgsgeschichte

Von da an konnte Kurt Kramer und sein Team unter dem Begriff Knospenheide seine Gardengirls® auf dem Markt bekannt machen und ihre Vorteile herausstellen.

Dadurch stiegen die Nachfrage und damit die Anbaumengen ziemlich an. Durch die steigenden Lizenzeinnahmen konnte wiederum die Züchtung intensiver betrieben und weitere hervorragende Sorten eingeführt werden.

Bei der Namensgebung konnte man bei einer besonders roten Sorte auch schon mal den Namen 'Athene' und bei einer besonders haltbaren den Namen 'Helena' aus der griechischen Götterwelt nehmen. Wegen Ihrer griechischen Herkunft durfte die bekannte Schlagersängerin Vicky Leandros diese Sorten taufen.

Inzwischen gibt es bei den Gardengirls® Sorten mit der besten Farbwirkung von August bis Oktober. Die Knospenfarbe der späten Sorten hält sich bis weit in den Winter hinein stabil. Neuerdings setzt Kramer auch auf Sorten ohne Blüten oder Knospen. Dafür ist das Laub jedoch auffällig silbrig, grün, gelb bis hin zu rot oder schwarzgrün gefärbt. Einige Sorten gefallen mit ihrer Hängeform.

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