UNSERE HEIDE

Was ist eine Knospenheide?

Begriff und Herkunft der Knospenheide

Von der Ödlandpflanze zum farbenfrohen Gartenschmuck
Die Besenheide – Calluna vulgaris – begleitet die Menschen in Westeuropa seit Jahrtausenden und galt lange als typische Ödlandpflanze. Kurt Kramer (Edewecht) half der Natur mit seinem Gärtnerwissen und seiner Leidenschaft für die Heide auf die Sprünge: Er ist wesentlich daran beteiligt, dass man Calluna heute sofort mit farbenfrohem Gartenschmuck assoziiert. Mit der Einführung seiner Gardengirls® hat der Züchter eine wahre Erfolgsgeschichte geschrieben.

Glücksbringer und Wunscherfüller

Heidekraut

Heide wächst von Natur aus auf besonders unfruchtbaren Böden. Ab 3.000 vor Christus nutzten die Menschen mehr und mehr die Technik der Brandrodung, um Weideflächen für das Vieh zu gewinnen. Die durch Feuer geschwendeten Flächen verödeten und wurden immer weiter von der Besenheide besiedelt. Etwa um das Jahr 1800 war die Ausdehnung der Heide am größten. Nur noch Schafe konnten auf diesen Heideflächen weiden. Die heute bekannten, geschützten Heidelandschaften umfassen nur noch etwa drei Prozent der damaligen Ausbreitung!

Auch Bienen wurden auf den Heideflächen gehalten, außerdem war der Plaggenhieb ein wesentlicher Teil der Bauernwirtschaft in der Heide. Die getrockneten Plaggen wurden als Streu für die Ställe verwendet. Die mit Dung durchsetzte Einstreu arbeiteten die Bauern anschließend auf hausnahen Äckern ein, so dass sie Getreide und Futterpflanzen für das Vieh anbauen konnten. Für die meisten Menschen dieser Zeit war Heide ein negativer besetzter Begriff.

Seit etwa 1870 entdeckten Künstler die Heidelandschaft. Immer mehr Landschaftsmaler, unter ihnen auch Eugen Bracht, verfielen der wunderschönen, doch oftmals trostlosen Heidelandschaft. Sand, Heide und Moor, umgeben von Birken- und Kiefernwäldern, sind heute noch in vielfältigen Variationen zu sehen – meist auf Ölgemälden aus der Zeit der damaligen Jahrhundertwende.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Heide auch als Erholungsgebiet genutzt, bot sie doch Raum für ausgedehnte Spaziergänge. Fasziniert stellten die Menschen fest, dass die Besenheide wundersame Abweichungen zeigte, zum Beispiel weiße Blüten. Sie brachen Zweige der Besenheide ab und nahmen sie mit nach Hause. Daraus entwickelte sich der Brauch, ein Sträußchen weißer Heide als Glücksbringer zu verschenken. Doch nicht nur das: Heidekraut galt außerdem auch als „Wunscherfüller“, denn mit weißem Heidekraut unter dem Kopfkissen sollten Träume wahr werden.

Literatur und Kunst

Der Heidegarten

Auch Naturforscher erkundeten die Heide. Der Botaniker Paul Graebner beispielsweise schrieb darüber schon ab 1895, im Jahr 1927 erschien ein wichtiger Zeitschriftenbeitrag des Niederländers Joh. Jansen über Calluna. Der Mikrobiologe Willem Beijerinck erstellte eine Monografie über Calluna, die posthum 1940 in Amsterdam erschien. In diesem Werk erwähnt er erstmals Knospenblüher. 

Gärtner vermehrten die besonderen Pflanzen, suchten selbst gezielt danach und boten sie zum Verkauf an. Zu diesem Zweck erhielten die speziell vermehrten Pflanzen einen zusätzlichen Namen: den Sortennamen. Die Idee eines Heidegartens entstand. Schon 1927 erschien mit „The Low Road“ das erste Heidegartenbuch, in dem der Autor D. Fyfe Maxwell Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Anbau von Heide gab. 1928 kam mit „The Hardy Heath“ von A. T. Johnson schon das zweite Heidebuch auf den Markt.

Die ersten vermehrten Sorten wurden noch mit botanischen Begriffen wie „alba“ (weiß) oder „plena“ (voll, Blüte gefüllt) benannt. Später bekamen sie Sortennamen nach ihren Fundorten, wie zum Beispiel ‘Kynance‘. Später wurde es üblich, den Finder oder eine bekannte Person als Sortennamen zu wählen, wie ‘H.E. Beale‘ oder ‘Sir John Charrington‘.

Von England schwappte die Heidegarten-Idee aufs Festland herüber, zunächst in die Niederlande und später nach Deutschland. Schon 1972 erschien in der damaligen DDR „Das Heidegartenbuch“ von Eckart Mießner. Harry van de Laar schrieb 1975 „Het Heidetuinboek“, dessen deutsche Übersetzung „Heidegärten“ 1976 veröffentlicht wurde.

Die erste Heide-Liebhabergesellschaft, die „Heather Society“, entstand in England, weitere Länder folgten. Sogar in den USA gab es Gründungen.

Gardengirls

Erste Aktitäten in Edewecht

 

Kurt Kramer kam 1965 bei einer Militärübung in Schottland intensiv mit der Heide in Berührung. Als Gärtner wunderte er sich über einzelne weiß blühende Pflanzen in dem großen farblichen Einerlei. Vielleicht war dies schon ein erster Schritt hin zu seiner beruflichen Zukunft. Später kam Kramer als Friedhofsgärtner wieder mit herbstlicher Heide in Kontakt. Neben der Topfheide (Erica gracilis) lernte er auch Callunen kennen, die allerdings gegenüber der Topfheide damals in einem denkbar schlechten Zustand waren. Das sollte sich ändern!

Nach dem Besuch der Meisterschule für Gartenbau machte sich Kurt Kramer 1970 auf dem kleinen elterlichen landwirtschaftlichen Hof bei Edewecht selbstständig und spezialisierte sich auf die Anzucht von Heidepflanzen. Der besonders stark humose Sandboden war dafür bestens geeignet. Der Gärtnermeister testete zielstrebig sämtliche Heidearten, die in den Niederlanden und England erhältlich waren, auf ihre Anbauwürdigkeit und Frosthärte.

Von der Besenheide sammelte und verglich Kramer bis 1980 etwa 330 Sorten. Davon wurden später rund 20 Sorten kultiviert. Von den weiteren etwa 20 europäischen Heidearten (Erica) erwiesen sich sechs Arten und eine Hybride als genügend winterhart – sie benötigten in der Kultur und im Garten nur einen leichten Winterschutz, nämlich Fichtenzweige. Um 1990 kultivierte Kramer von diesen Arten ca. 350.000 Stück. Es handelte sich überwiegend um Callunen, die wegen ihrer Blütezeit auch Sommerheide genannt werden.

Heidekultur

Erste züchterische Erfolg

Bisher handelte es sich bei allen Sorten um Findlinge aus der Natur, um Zufallskreuzungen aus Gärten und aus der Aufzucht von Sämlingen sowie um Mutationen, also plötzliche Veränderungen an vorhandenen Sorten. Ab 1974 dann versuchte Kurt Kramer neue Sorten durch gezielte Züchtungen zu gewinnen.

Der erste züchterische Erfolg – also eine Verbesserung gegenüber den Standardsorten – stellte sich dann bei der Arthybride Erica × darleyensis ein. Sie wurde 1984 unter dem Sortennamen ‘Kramers Rote‘ eingeführt und wird heute von Gärtnern in Europa sowie von Kanada bis nach Neuseeland kultiviert.

Auch unzählige Calluna-Sorten kamen auf den Markt, erlangten zunächst aber keine große Bedeutung. Das änderte sich erst mit der Züchtung und Einführung der Calluna-Knospenblüher, heute kurz Knospenheide genannt.

Der geschäftliche Erfolg erfuhr ab da eine zusätzliche Unterstützung durch das Sortenschutzgesetz, das vergleichbar ist mit dem Patent bei technischen Dingen: Durch die Schutzwirkung darf nur der Schutzinhaber oder ein Vertragspartner die verbesserte Sorte nutzen.

Gardengirls

Der Name wurde geboren

Die Knospenheide hat gegenüber der Wildform Besenheide einen erheblichen Vorteil: Die Knospen öffnen sich nicht. Während die Wildform von Juni/Juli bis höchstens in den August hinein blüht, zeigt die Knospenheide je nach Sorte von August bis in den Winter ihre Farbe. Selbst leichte Herbstfröste können ihr nicht schaden.

Ein solch wichtiger Fortschritt brauchte einen Namen, der zugleich auch den wesentlich verbesserten Nutzen für Gartenfreunde ausdrückte. Nach reiflicher Überlegung wählte Kurt Kramer dafür die Bezeichnung „Gardengirls®“ und ließ diese 1997 als Marke eintragen.

Alle Sorten der Knospenheide erhielten von Kramer in Absprache mit seinen Mitarbeiterinnen Mädchennamen. Da sie bestens gartentauglich waren, versammelten sie sich so zu einer großen Familie aus „Mädchen für den Garten“. Den englischen Namen dafür – Gardengirls® – konnten auch die Deutschen leicht verstehen, und den anderen Europäer war der Begriff ebenfalls schnell vertraut.

Gardengirls

Die Erfolgsgeschichte

 

Von da an konnten Kurt Kramer und sein Team unter dem Namen Gardengirls® ihre Knospenheide auf dem Markt populär machen und deren Vorteile herausstellen. Die Nachfrage und damit die Anbaumengen stiegen deutlich an. Durch die steigenden Lizenzeinnahmen konnte wiederum die Züchtung intensiviert und weitere hervorragende Sorten konnten eingeführt werden.

Die Namensgebung wurde kreativer: So erhielt eine besonders rote Sorte den Namen ‘Athene‘ und eine besonders haltbare den Namen ‘Helena‘ –griechische Göttinnen standen hier Pate. Wegen ihrer griechischen Herkunft durfte die bekannte Schlagersängerin Vicky Leandros die beiden Sorten taufen.

Inzwischen gibt es bei den Gardengirls® auch Sorten mit außergewöhnlicher Farbwirkung von August bis Oktober. Die Knospenfarbe dieser späten Sorten hält sich bis weit in den Winter hinein stabil. Neuerdings setzt Kramer zudem auf Sorten ganz ohne Blüten oder Knospen. Dafür ist das Laub jedoch auffällig silbrig, grün, gelb, rot oder schwarzgrün gefärbt. Weitere Sorten gefallen mit ihrer hängenden Form – und ein Ende der Kreativität ist noch lange nicht in Sicht.

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